Die Wiedergründung des Schützenvereins Weißensberg

Mit dem Bau der Festhalle im Jahre 1978 unter Bürgermeister Albert Riebler erhält die Gemeinde erstmals einen festen gesellschaftlichen Mittelpunkt, der sich sehr rasch nicht nur auf das Vereinsleben, sondern in weiterer Folge sehr positiv auf das Gemeindeleben auswirkt. Auch für unseren Schützenverein. Wenn auch auf Umwegen und zeitlich verzögert.

Im Jahre 1979 stellt sich nämlich heraus, dass ein Raum zweckentfremdet genutzt wird. Um nun die gewährten Zuschüsse nicht zu gefährden, ist guter Rat teuer und die Zeit drängt. Neben vielen Überlegungen und Vorschlägen erscheint die Idee, den alten Schützenverein wieder aufleben zu lassen, einen Versuch wert, zumal die Größe des Raumes geeignet erscheint.

Eine auf Initiative von Reiner Landgrebe für den 17. Dezember 1981 einberufene zwanglose Zusammenkunft verläuft sehr erfolgreich.

Darauf bauend lädt Bürgermeister Albert Riebler im Amtsblatt der Gemeinde für den 21. Dezember 1981 zu einer Versammlung ein, deren einziges Thema die  „mögliche Wiedergründung des Schützenvereins Weißensberg“  ist.
Die Zusicherung tatkräftiger Unterstützung seitens der Gemeinde überzeugt schließlich 26 der erschienenen 27 Bürgerinnen und Bürger.

Kurzerhand und die günstige Gelegenheit nutzend werden die erforderlichen Abstimmungen und Wahlen durchgeführt.
Die 26 Bürgerinnen und Bürger gründen den Schützenverein wieder, treten ein und wählen ihre erste Vorstandschaft:

1. Schützenmeister Reiner Landgrebe
2. Schützenmeister Emil Huber
Kassier Wolfgang Taube
Schriftführerin Gabriele Flachs
Sportwart Karl Fischer
Beisitzer Helmut Egle
Hermann Flachs sen.
Heinz Schellhase

Die Wiedergeburt des Schützenvereins Weißensberg. Und zum ersten Mal in seiner wechselvollen Geschichte wird der Verein ein festes und seinen Anforderungen gerecht werdendes Zuhause erhalten.

Mit Elan gehen Vorstandschaft und die übrigen Mitglieder nun daran, den Verein auf- und auszubauen.

Das erste Übungsschießen findet am 13. Januar 1982 beim Patenverein in Sigmarszell statt.

Ein besonderer Dank an dieser Stelle dem Schützenverein Sigmarszell und dessen damaligen Schützenmeister Hans Kern. Ermöglicht er doch in den Jahren 1981 bis Ende Mai 1982 (insgesamt 15 Schießabende) den Weißensbergern, auf seinen Schießanlagen den Sportbetrieb aufzunehmen. Diese „Schützenhilfe“ liefert die Chance und die Basis, den jungen Verein bis zur Fertigstellung des eigenen Schießstandes zusammenzuhalten.

Das ganze Jahr 1982 steht aber im Zeichen von Ausbau und Einrichtung der neuen Schießstätte. Für die Ausarbeitung steht in Architekt Friedrich Böhmer ein Gründungsmitglied zur Verfügung. Der Ausbau selbst erfolgt in Eigenleistung der Mitglieder, wobei ca. 400 Arbeitsstunden investiert werden.. Ein besonderer Dank ist hier bei der Gemeinde angebracht - ermöglicht sie durch großzügigste Unterstützung erst, dass das gesamte Unternehmen von Erfolg gekrönt sein wird.

Der Beitritt zum Bayerischen Sportschützenbund wird mit Schreiben vom 22. März 1982 von Herrn F. Gröpl, Assessor, bestätigt und die Vereins-Kennnummer  723 029  mitgeteilt.

In der Vorstandsitzung vom 15. November 1982 wird die Anschaffung von vier vereinseigenen Luftgewehren, darunter ein Jugendgewehr, sowie Rika-Schießständen beschlossen. Die Kosten trägt die Gemeinde. Vereinsseitig wird eine gebrauchte Teilermaschine erworben.

In der außerordentlichen Mitgliederversammlung vom 28. Dezember 1982 im Gasthaus Schanz, Rothkreuz, teilt Reiner Landgrebe erfreut mit, dass 4/5 des Schützenheimes fertiggestellt und zu aller Freude acht anstelle der ursprünglich geplanten vier Schießstände gebaut werden konnten.

Ein Gemeinderat überreicht stellvertretend für den Bürgermeister dem Verein ein Feinwerkgewehr. Der Verein revanchiert sich seinerseits mit einem Geschenk.

30. März 1983:  Ein gewichtiges Datum für den Verein. Die Bauarbeiten sind abgeschlossen, die Schießgenehmigung ist erteilt.

Feuer frei und Gut Schuss. Das erste Schießen auf dem eigenen Stand.
Ein Ostereier-Schießen wird ausgetragen und 2. Schützenmeister Emil Huber stiftet die erste Ehrenscheibe.

Der Mitgliederstand ist auf 56 angewachsen und der Kassenbericht vom 29. Juni 1983 weist ein erfreuliches Guthaben aus.

Am 22. Oktober 1983 findet ein internes Eröffnungsschießen mit dem Patenverein Sigmarszell statt, wobei dem Gast der Vortritt gelassen wird.

Die feierliche Einweihung der acht Schießstände in der Festhalle Weißensberg erfolgt am 23. Oktober 1983 durch Pfarrer Josef Hoch und Bürgermeister Albert Riebler, umrahmt von der Musikkapelle Weißensberg unter der Leitung von Hugo Koros. Launige Grußworte entbietet der Schützenmeister aus Sigmarszell, Hans Kern.

Nach Eröffnungsschüssen von Bürgermeister Albert Riebler und Pfarrer Josef Hoch nimmt das Bürgerschießen auf den acht Ständen - in zwei Etagen übereinander angeordnet - seinen Lauf. Der beste Schütze unter 100 Teilnehmern um die Meisterscheibe ist Werner Günthör. Das Schießen um die Festscheibe gewinnt Max Lau.

Am 12. November 1983 werden die Gauvorstände und die Schützenmeister der Nachbarvereine zu einem Schießen eingeladen. Die Gewinner der Ehrenpreise: bei den Damen Sigrid Stadler von der Kgl. Priv. SG Weiler, bei den Schützenmeistern Hans Abt, SG Maria Thann, und die Ehrenscheibe sichert sich Rudolf Florian aus Lindenberg.

Die Mitgliederversammlung vom 25. Januar 1984 weist neben einem gewachsenen Guthaben auch einen auf 68 Personen gestiegenen Mitgliederstand aus. Turnusgemäß wählen die 36 erschienenen Mitglieder die Vorstandschaft neu, wobei die Anzahl der Beisitzer gemäß Satzung auf sieben Personen erhöht wird, da der Verein mehr als 50 Mitglieder aufweist.

Gewählt werden:

Schützenmeister-Amt: 1. Schützenmeister Reiner Landgrebe
  2. Schützenmeister Heinz Schellhase
  Kassier Wolfgang Taube sen.
  Schriftführerin Gabriele Flachs
  Sportleiter Roland Kiebele
Beisitzer:   Hermann Flachs sen.
Hannes Weber
Augustin Steidle
Emil Huber
Sebastiano Cassarino
Georg Gütinger
Friedrich Böhmer

Erster Schützenkönig mit dem Luftgewehr wird im Jahre 1984 Werner Reich bei den Erwachsenen, und Leo Sauheitl bei der Jugend.

In der Schießsaison 1983/1984 wird zum ersten Mal an auswärtigen Schießen auf Gauebene und ab 1985 mit einer Damen- und Herren-Mannschaft am Rundenwettkampf teilgenommen. Ebenso am Leiblachpokal in Sigmarszell, der mit einem 5. Platz belohnt wird.
Freundschaftsschießen in Reisenburg, Weilimdorf, sowie ein Vereinsausflug nach Hohenbercha runden die überregionalen Aktivitäten ab. Am 03. und 04. Oktober 1984 besuchen die Hubertus-Schützen aus Kranzberg Weißensberg zu einem Freundschaftsschießen.

Die Vereinsaktivitäten werden nun stetig ausgebaut. So wird 1985 erstmals ein Vierer-Mannschafturnier für die Weißensberger Bürger und Vereine ausgerichtet. 37 Mannschaften beteiligen sich daran. Als die treffsichersten erweisen sich dabei bei den Herren die Mannschaft „Narrenverein II“ mit 297 Ringen und bei den Damen die Mannschaft „Der Ehefrauen Rache“ mit 280 Ringen.
Dies ist die Geburtsstunde des bis zum heutigen Tage jährlich ausgetragenen und zum festen Veranstaltungs- bestandteil unserer Gemeinde gewordenen Bürgerschießens.

Weiters wird ein interner Faschingsball abgehalten und ein Delegierter zur Neuordnung des Kinderfestausschusses entsendet.

Josef Breimeir, 1. Schützenmeister von 1950 bis 1952, wird per einstimmigen Beschluss am 18. April 1985 zum Ehrenmitglied ernannt.

Am 16. Mai 1986 erfolgt der Eintrag in das Vereinsregister.

Einen turbulenten Herbst erlebt der Schützenverein im Jahre 1987. 1. Schützenmeister Reiner Landgrebe und
2. Schützenmeister Heinz Schellhase erklären im Oktober bzw. November aus beruflichen und privaten Gründen ihren Rücktritt.

Bis zu den Neuwahlen im Januar 1988 übernimmt Hannes Weber kommissarisch die Leitung des Vereins. Bei den Wahlen am 15. Januar 1988 werden Hannes Weber zum ersten und Werner Reich zum zweiten Schützenmeister gewählt.

Die wohl wichtigsten Entscheidungen in dieser Amtsperiode sind die Einführung der Abteilung Luftpistole im Jahre 1988 und die Anschaffung der Vereinfahne.
Lieferant dieser sehr schönen Fahne ist die Fahnenstickerei Kössinger in Schierling. Die nicht unerheblichen Kosten werden u.a. durch freiwillige Spenden aufgebracht. Auch die Gemeinde beteiligt sich mit einem sehr großzügigen Betrag.

Erster Schützenkönig mit der Luftpistole wird im Jahre 1988 Peter Meyer.

Die Mitgliederzahl ist auf 107 angewachsen.

Aufgrund ihrer sportlichen Leistungen werden Bettina Kiebele und Michael Landgrebe im Juni 1989 in den Gaujugend-Kader aufgenommen. Im gleichen Jahr erreichen die beiden Jungschützen im Jugendfernwettkampf in ihren Klassen jeweils den ersten Platz.

In der Versammlung vom 08. März 1991 werden Roland Kiebele zum neuen ersten Schützenmeister und Georg Gütinger zum zweiten Schützenmeister gewählt. Mit dieser Wahl wird, so der Chronist, die Sportausrichtung noch mehr betont, weg vom Debattierklub.

In diese Ägide fallen unter anderem die Anschaffung der sehr gut gelungenen Schützentracht und die Fahnenweihe am 23. Oktober 1994, die in einem großen festlichen Rahmen gebührend begangen wird.

Erster Fähnrich wird Hans-Peter Kolb, Fahnenpatin Bettina Kiebele. Patenverein nach einem denkwürdigen „Patenbitten“ wird der Schützenverein Sigmarszell, der dies bereits vor dem Krieg war.

Mit dem Vereinsmeisterschießen „Zimmerstutzen“ 1991 und einer Wettkampfteilnahme in dieser Disziplin in Hergensweiler im selben Jahr wird das Programm um die Disziplin Zimmerstutzen erstmals ausgeweitet.

In der Mitgliederversammlung vom 18. März 1994 werden Roland Kiebele und Georg Gütinger in ihren Ämtern bestätigt , die beabsichtigte Form der Schützentracht vorgestellt und um deren vermehrte Anschaffung auch hinsichtlich der bevorstehenden Fahnenweihe geworben.

Bei den im März 1995 in Hergensweiler durchgeführten Gaumeisterschaften mit der Luftpistole erringt Peter Mahl mit 369 Ringen den Gaumeistertitel. Zwei Monate später belegt er bei den Bezirksmeisterschaften mit 360 Ringen den
2. Platz.

Ehrenmitglied Josef Breimeir verstirbt am 24. Juli 1995.

Im Juli 1996 findet sich eine Gruppe interessierter Großkaliberschützen. Nach erfolgreich geführten Verhandlungen mit dem Standeigentümer Grübel in Schlachters wird eine Großkaliber-Abteilung gebildet. Die regelmäßigen Übungsabende beginnen am 14. Oktober 1996. Die ersten Vereinsmeisterschaften Großkaliber werden am 13. Januar 1997 durchgeführt.

Unsere ersten Vereinsmeister in der Sparte Großkaliber:

Halder Rudolf 212 Ringe GK Sportpistole Kombi Schützenklasse
Vogt Jürgen 258 Ringe KK Sportpistole Altersklasse
Heimgärtner Markus 272 Ringe KK Sportpistole Schützenklasse
Steidle Augustin 183 Ringe 44 Zentralfeuer Revolver Schützenklasse
Vogt Jürgen 228 Ringe 45 Zentralfeuer Pistole Schützenklasse
Ludwig Horst 164 Ringe 32/38  Sportpistole Altersklasse

Im Rahmen der in der Festhalle Weißensberg abgehaltenen Gauversammlung wird Roland Kiebele mit der Ehrennadel des BSSB ausgezeichnet.

Das Jahr 1997 beginnt mit einem sehr traurigen Anlass. Der allseits beliebte und geachtete erste Schützenmeister und Gemeinderat Roland Kiebele verstirbt leider viel zu jung. Ein herber Verlust.

Trotz dieses Schicksalschlages wird das Bürgerschießen abgehalten.

In der Mitgliederversammlung im April werden Georg Gütinger zum neuen ersten und Dr. Hans-Dieter Scorl zum zweiten Schützenmeister gewählt.

Zu einem sportlichen Höhepunkt wird das Gauschießen 1998 in Gestratz.
Bettina Kiebele wird mit einem 13,01 Teiler Gaudamenkönigin und, um das Maß voll zu machen, Rudi Immler mit einem 1,94 Teiler Gauschützenkönig.

Für ihre Verdienste im Verein werden im Jahre 2000 Uschi Kiebele, Josef Fechtig, Erich Nuscheler und Wolfgang Taube sen. vom Gau geehrt.

Wolfgang Taube sen. wird im selben Jahr aufgrund seiner hohen Verdienste  - er war 18 Jahre Vereinskassier -  zum Ehrenmitglied ernannt. Die gleiche hohe Auszeichnung erfahren zwei Jahre später Josef Fechtig und Hans Guggemos.

In Anerkennung seiner Verdienste um den Schießsport wird 1. Schützenmeister Georg Gütinger mit der Ehrennadel vom Bezirk und vom BSSB ausgezeichnet.

Rechtzeitig zum Jubiläum greift der Schützenverein mit der Gründung einer Böllergruppe – zwei Damen und vier
Herren – die bis ins 19. Jahrhundert nachweisbare Tradition des Böllerschießens wieder auf.

Die Weißensberger Schützinnen und Schützen sind seit vielen Jahren nicht nur auf regionaler Ebene sportlich erfolgreich. Es konnten immer wieder gute Platzierungen bei Bezirks-, Bayerischen, ja sogar Deutschen Meisterschaften „verbucht“ werden. Vor allem die Jugendlichen können bei überregionalen Wettkämpfen überzeugen. Aber auch unsere ältesten Kameradinnen und Kameraden vertreten den Schützenverein Weißensberg immer achtbar bei diversen Ältestenmeisterschaften und Ältestenschießen.
Stefan Lau erreicht bei den  Bayerischen Behindertenmeisterschaften am 14.09.2002 in Hochbrück den Bayerischen Vizemeistertitel.

Seit 1985 ist der Schützenverein Weißensberg im hiesigen Gau-Rundenwettkampf aktiv.

Alle sportlichen Aktivitäten und Erfolge sind aber ohne ein harmonisches Vereinsleben nicht möglich. Faschingskränzle, Grillabende, Vereinsausflüge, um nur einige zu nennen, tragen zur Förderung der Gemeinschaft, Integration und Identifikation bei.

Ein überaus wichtiger Punkt: die Jugendarbeit. Die Einladung und Durchführung regelmäßiger Schnupper- veranstaltungen tragen erste positive Früchte. Eine gute Investition für die Zukunft.

Auch aus dem Gemeindeleben ist der Schützenverein nicht mehr weg zu denken. Eigene Veranstaltungen wie das Kässpätzle-Essen mit Königsproklamation am Aschermittwoch oder das bereits erwähnte Bürgerschießen, gehören zum festen Bestandteil im Jahresablauf.

Ebenso die aktive Teilnahme und das Mittragen von Gemeindefesten wie Kinderfest und Maibaumstellen, oder bei Veranstaltungen der Ortsvereine, z.B. Stockturnier, Hufeisenwerfen oder Armbrustschießen.

Nicht zu vergessen die vielen Einsätze der Fahnenabordnung bei weltlichen und kirchlichen Gemeindeanlässen, sowie bei Jubiläen befreundeter Schützenvereine im In- und Ausland.

Die Vorstandschaft im Jahre des 100jährigen Jubiläums:

1. Schützenmeister Georg Gütinger
2. Schützenmeister Bettina Schäfler
1. Kassier Marcel Lambert
1. Schriftführerin Uschi Kiebele
1. Sportleiter Thomas Mühe
Beisitzer Robert Schwendele
Sonja Schneider
Thomas Gütinger
Michael Gütinger
Thomas Sauheitl
Walter Helf
Rechnungsprüfer Siegfried Egle
Stefan Lau
Fähnrich Thomas Sauheitl

Verfasser der Chronik:
Severin Birk
(ehemaliger Ortsheimatpfleger der Gemeinde Weißensberg)

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